Dimension Kommunikation

Es ist Abend, ich sitze gemütlich vor dem Kamin und kommuniziere wie fast täglich,  über eine HandyApp mit Freunden und Kindern. Da bittet mich meine Freundin, ebenfalls über eine bekannte HandyApp, um Hilfe für eine verwandte afrikanische Familie, die in eine akute Notlage geraten ist. Diese Menschen leben ein Leben immer am Rande ihrer Existenz in Südafrika. Ich überlege nicht lange, ich möchte helfen, denn helfen gibt mir ein gutes Gefühl. Ich lebe hier in Deutschland warm, trocken und sicher aufgefangen im sozialen Netz. Nicht dass ich das Wort NOT nicht kennen würde, wir wissen jedoch alle, das die Dimension dieses Wortes doch sehr variieren kann. Doch STOP STOP -darum soll es hier gar nicht gehen.

Ich antworte meiner Freundin über die HandyApp, gerne helfen zu wollen. Ich gehöre, wie viele, der deutschen Mittelschicht an und eine Spende bringt mich wie die meisten Menschen nicht in wirkliche NOT. Und bestimmt gibt es viele Menschen in meinem engeren und auch weiteren Freundes- und  Familienkreis die ebenfalls helfen möchten. Also sende ich den Aufruf meiner Freundin über die HandyApp an viele Nummern in meinem Handy______und erwarte viel positive und zustimmende Resonanz, doch es geschieht erst einmal  

 

NICHTS    Bis auf meine Familie antwortet   NIEMAND!!!!!

 

Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin verunsichert. Was ist da los?  Bin ich vielleicht keine vertrauenswürdige Person? Ist die Welt hart und egoistisch geworden? Noch einmal lese ich meine Nachricht auf der HandyApp und glaube den vermeintlichen Grund entdeckt zu haben. Habe ich meine Freunde damit unter Druck gesetzt möglichst viel zu spenden? Und nun? Ich füge einen weiteren Text hinzu, das es um eine kleine Spende geht und aus vielen kleinen Beträgen etwas Großes werden kann. Voller Erwartung schaue ich am nächsten Tag auf mein Handy, doch wider Erwarten hat sich wieder nichts getan.

 

Im Laufe des Tages treffe ich Adressaten meines Spendenaufrufes und wir kommen ins Gespräch. Ich berichte voller Emotionen von der Familie in Afrika die Hilfe benötigt und meine Gesprächspartner helfen gerne. In den nächsten Tagen werde ich mehrfach angerufen und ich berichte wieder ausführlich von meiner Aktion und es gibt niemanden der nicht überzeugt ist und für die gute Sache spendet.  

 

Und plötzlich geht mir ein Licht auf. Mir wird bewusst, wie sich mein Kommunikationsverhalten verändert hat. Wie sehr mich eine HandyApp verändert hat. Für mein wichtiges Anliegen wählte ich den falschen Weg der Kommunikation. Mein anfängliches Spendenfiasko öffnete mir die Augen.  Bin ich wirklich im Kontakt mit meinen Freunden und meiner Familie wenn ich abends auf dem Sofa sitze und, eigentlich im Monolog, munter vor mich hin DADDELE? Ist dieser Weg der Richtige wenn es um WICHTIGES in meinem Leben geht? Nicht umsonst spricht man vom Short Message Service. Die Crux an der modernen virtuellen Kommunikation ist doch, das es eigentlich keine Kommunikation ist. 

 

Zukünftig werde ich sicher nicht das Handy aus meinem Leben verbannen und es wird auch weiterhin immer in meiner Nähe liegen.

 

Echte Kommunikation jedoch möchte im Dialog sein, ein Wechselspiel von Dir zu mir, deinem gesprochenen Wort, deiner Gestik und Mimik und Emotion im Kontakt mit meinen Wörtern und meiner Mimik und Gestik und Emotion.

 

Marietheres Braun

 

Februar 2018

 

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